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| Die Tradingakademie: Ein Gesamtkonzept für Ihren (Börsen-) Erfolg
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Der entscheidende Baustein an diesem "Gesamtkonzept" fehlt
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Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 10 REZENSENT) (#1 HALL OF FAME REZENSENT) (REAL NAME) Rezension bezieht sich auf: Die Tradingakademie: Ein Gesamtkonzept für Ihren (Börsen-) Erfolg (Gebundene Ausgabe) Sicher existieren zahlreiche Methoden, mit denen man an den Finanzmärkten profitabel sein kann. Allein schon aus diesem Grund erscheint es ziemlich vermessen, wenn ein Autor seine Ansichten oder gar seinen Handelsstil über den Titel eines Buches gewissermaßen als allgemein gültig darstellt. Das könnte man jedoch ignorieren, wenn in diesem Buch tatsächlich ein schlüssiges Konzept vorgestellt werden würde. Doch dem ist nicht so. Es fehlt der entscheidende Baustein.
Auf den ersten 100 Seiten lernt man, wenn man sich ehrlich befragt, eigentlich nichts. Außer vielleicht, dass der Autor Aktien über CFDs handelt und sich als Swing-Trader bezeichnet, der auch gerne einmal einen Gegenswing in einem Trend handelt.
Nach meiner Erfahrung steht ein solcher Ansatz zumindest für Anfänger dem finanziellen Selbstmord nicht im Wege. Dazu passen auch die Erklärungen einiger vermeintlicher Handelsansätze unter dem Titel "Marktscreening" ab Seite 100. Die Kommentare des Autors lassen keinerlei grundlegende Systematik erkennen. Das gibt er auch völlig freimütig zu: "In meinen Seminaren merke ich immer wieder, wie schwierig es für die Teilnehmer ist, meinen Gedanken hinsichtlich der Einschätzung der Chartbilder zu folgen." (S.100). Mir erging es ebenso.
Leider setzt sich dieser wolkige Stil aus einer Mischung von Allgemeinplätzen und Unbestimmtheit auch weiter fort. Vittner schreibt dann einen Abschnitt über den "Erwartungswert im einzelnen Trade". Er vergisst aber zu definieren, was er damit eigentlich meint. Auch seine Behauptung, die Chancen bei jedem Trade lägen bei 50 zu 50 erscheint mehr als zweifelhaft. Das hat er für sich eben mal einfach so festgelegt.
Endlich, auf Seite 130, wird es dann etwas konkreter. Vittner beschreibt nun seine Positionseröffnung, seine Stoppsetzung und die Berechnung seiner Positionsgröße. Außerdem lernen wir, dass er vorläufige Extrema innerhalb eines Tages oder die Vortagsextrema zum Einstieg benutzt. Das entsprechend andere Extremum der jeweiligen Kerze wählt er als Stopp. Anschließend modifiziert er diesen Einstiegsplan für gewisse Sonderfälle.
Die wortreichen Erklärungen verschleiern den grundlegenden Haken dieser Methode. Zuerst nämlich entscheidet sich der Autor für eine Handelsrichtung. Diese Entscheidung bleibt trotz des vielen Wortgeklingels immer (!) nicht nachvollziehbar. Er schreibt einfach, dass er long oder short gehen wird. Warum er das machen wird, bleibt sein Geheimnis. Dann erst sucht er sich eine Umkehrkerze, also eine mit langem Docht oder langer Lunte (nach seiner Definition) und handelt den Durchbruch in die gewünschte Richtung durch Einstoppen, wenn das entsprechende Extremum verletzt wird.
Man kann den Erfolg oder Misserfolg dieser Methodik nicht diskutieren, weil einfach die Grundannahme völlig im Dunkeln gelassen wird. Das ist für ein Buch mit diesem Titel schon ein starkes Stück. Man kann diese Methode natürlich auch nicht nachtraden. Wie denn, wenn man in einem konkreten Fall nur den Autor anrufen kann, um zu erfahren, ob er nun vielleicht long oder doch besser short gehen würde?
Deshalb würde ich jede Wette eingehen, dass jeder, der diese nicht vollständig beschriebene Methode umzusetzen versucht und nur wenig eigene Erfahrung besitzt, damit Schiffbruch erleidet.
Abgesehen von diesem prinzipiellen Mangel besitzt das Buch auch einige vernünftige Abschnitte. Beispielsweise wird das Gesamtrisiko eines Portfolios methodisch gut beschrieben und erklärt.
Der Text enthält dann noch zwei Kapitel über das "richtige" Denken und die Intuition. Wenn Trader sich nicht wirklich kennen, werden sie dies beim Trading garantiert merken. Der Autor umreißt viele der mentalen Fragen, vor denen Trader stehen, ganz gut. Allerdings lernt man wohl erst durch eigene und meist schmerzhafte Erfahrungen und selten aus Büchern.
Unter "Intuition" versteht Vittner dann situationsbedingtes Handeln, wenn man merkt, dass das eigene Regelwerk in Sondersituationen zu großen Verlusten führen wird, weil die Märkte mit riesigen Eröffnungslücken starten und damit alle Stopps aktivieren werden. Er führt eine solche Situation aus seinem Traderleben an. Ob man daraus allerdings wirklich etwas lernen kann, ist zweifelhaft, denn dazu war diese Situation zu speziell. So bleibt einfach die Tatsache, dass man manchmal auch den "Autopiloten" abschalten muss, wie der Autor treffend schreibt.
Fazit. Dieses Buch erfüllt die durch seinen Titel selbst gesetzten Erwartungen nicht, weil es keine Gesamtmethodik erklärt. Die grundlegenden Handelsentscheidungen bleiben immer im Dunkeln. Erklärt wird nur die Technik, die nach einer solchen Entscheidung zum Eröffnen und Schließen von Positionen benutzt wird. Dazu gesellen sich zahlreiche wortreiche Erklärungen, die meistens nicht zwar nicht falsch, aber auch am Ende nicht wirklich hilfreich sind, weil wohl noch niemand mentale Veränderungen mit Hilfe eines Buches vollzogen hat.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 7. März 2012 | | | | | | | |
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